Unser Langzeitgedächtnis – eine Erklärung

Um Wissen oder Fähigkeiten nutzen zu können, ist es erforderlich, auf das Langzeitgedächtnis zurückzugreifen. Dieses speichert Fakten, Erinnerungen und Fähigkeiten je nach Art für Minuten, Jahre oder ein Leben lang. Was es mit dem Langzeitgedächtnis im Einzelnen auf sich hat, wie es funktioniert und welche Strategien es gegen ein schlechtes Langzeitgedächtnis gibt, erklärt dieser Artikel von Animus Medicus, dem Shop für Anatomiebilder.

Was ist das Langzeitgedächtnis?

Das Langzeitgedächtnis ist ein Mechanismus im menschlichen Gehirn. Er ist in der Lage, Informationen und Fähigkeiten über unterschiedlich lange Zeiträume zu speichern und abrufbar zu machen. Die im Langzeitgedächtnis enthaltenen Informationen sind für Alltagsaufgaben extrem wichtig. Ein schwaches Langzeitgedächtnis lässt sich in gewissen Grenzen durch kognitives Training in den Griff bekommen.

Der Aufbau des Langzeitgedächtnisses

Das Langzeitgedächtnis setzt sich aus den beiden großen Bereichen „deklaratives Gedächtnis“ und „nicht-deklaratives Gedächtnis“ zusammen. Beide werden im Folgenden vorgestellt:

  • Deklaratives Gedächtnis

Das deklarative Gedächtnis wird auch als Wissensgedächtnis bezeichnet. Es ist in der Lage, Wissen, Daten und Fakten sowie Erinnerungen an Ereignisse so abzuspeichern, dass diese abgerufen werden können. Die hier abgespeicherten Informationen sind explizit und können wortwörtlich wiedergegeben werden.

Zwei Teilbereiche des deklarativen Gedächtnisses sind das semantische und das episodische Gedächtnis. Das semantische Gedächtnis speichert Fachwissen ab, das unabhängig von allen Menschen wahr ist. Hierzu gehört beispielsweise die Tatsache, dass die Erde eine Kugel ist. Das episodische Gedächtnis speichert hingegen Fakten zum persönlichen Leben. So sind Menschen in der Lage, sich an ihren ersten Kuss zu erinnern.

 

  • Nicht-deklaratives Gedächtnis

Das nicht deklarative Gedächtnis wird auch als Verhaltensgedächtnis bezeichnet. Hier werden erlernte Handlungsabläufe oder Fertigkeiten gespeichert. Diese versetzen einen Menschen beispielsweise in die Lage, Fahrrad zu fahren. Die hier abgespeicherten Informationen sind implizit und können nicht wortwörtlich wiedergegeben werden.

Das nicht deklarative Gedächtnis teilt sich in drei Bereiche auf. Das prozedurale Gedächtnis enthält sämtliche Fähigkeiten eines Menschen. Nur durch die hier abgespeicherten Informationen sind wir beispielsweise in der Lage zu schwimmen.

Der zweite Teilbereich ist das Priming. Hier werden verschiedene Aspekte mit einzelnen Informationen verknüpft. Welche Farbe haben Wolken? Weiß. Welche Farbe hat Schnee? Weiß. Was trinkt die Kuh? Milch. Da wir unser Gedächtnis auf die Farbe Weiß geprimt haben, denken wir, dass die Kuh etwas Weißes trinken muss. Das ist aber nicht der Fall, sie trinkt Wasser.

Der dritte Teilbereich des nicht deklarativen Gedächtnisses ist die Konditionierung. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der pawlowsche Hund. Pawlow hat immer, wenn er seinem Hund etwas zu essen gab, mit einem Glöckchen geläutet. Das führte dazu, dass der Hund im Laufe der Zeit schon dann Speichelfluss produziert hat, wenn er nur das Glöckchen gehört hat, ohne dass es etwas zu essen gab.

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Prozesse des Langzeitgedächtnisses 

Im Langzeitgedächtnis laufen verschiedene Prozesse ab. Der erste ist das Lernen. Das bedeutet, dass Informationen so gespeichert werden, dass sie nicht nur im Kurzzeitgedächtnis verbleiben, sondern in das Langzeitgedächtnis wandern. Erst wenn das geschehen ist, haben wir langfristig Zugriff auf solche Informationen.

Der zweite Prozess setzt sich aus den Teilbereichen "erinnern, behalten und verknüpfen" zusammen. Menschen sind nun in der Lage, die im Langzeitgedächtnis gespeicherten Informationen langfristig zu behalten und sich bei Bedarf daran zu erinnern. Außerdem können die gespeicherten Informationen darin verknüpft werden, um hieraus neue Informationen oder Fähigkeiten abzuleiten. Informationen, die nicht genutzt, wiederholt, gefestigt und vernetzt werden, werden aus dem Langzeitgedächtnis wieder gelöscht.

 

Unterschiede zu anderen Gedächtnisbereichen

Es gibt unterschiedliche Gedächtnisbereiche im menschlichen Gehirn, die jeweils andere Aufgaben erfüllen und jeweils eigene Besonderheiten und Fähigkeiten besitzen. Die drei wichtigsten werden in der folgenden Tabelle vorgestellt:

Ultrakurzzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis

Registriert alle Sinneswahrnehmungen

Wird auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet

Kann prinzipiell eine unbegrenzte Menge an Daten abspeichern

 

Filterung der Eindrücke

 

Speichert Informationen für etwa 30 Sekunden

Je nach Art des Lernens werden Informationen für Minuten, Jahre oder ein Leben lang gespeichert

Trennung von Wichtigem und Unwichtigem

Wird für Informationen genutzt, die nicht dauerhaft gebraucht werden

speichert und sortiert eingehende Informationen, sodass sie uns zum ersten Mal bewusst werden

Speichert Faktenwissen, Fähigkeiten und Erinnerungen

Weiterleitung wichtiger Eindrücke an das Kurzzeitgedächtnis

Leitet Wichtiges ans Langzeitgedächtnis weiter; Unwichtiges wird überschrieben

Setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen

 

 

Zeichnet sich durch eine begrenzte Speicherkapazität aus

Ein schlechtes Langzeitgedächtnis kann auf die Umstände (z.B. Schlafmangel) oder Krankheiten zurückzuführen sein

 

Für Konzentration und Aufmerksamkeit unverzichtbar

 

Durch Training kann die Leistungsfähigkeit des Langzeitgedächtnisses verbessert werden

 

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Mögliche Ursachen für ein schlechtes Langzeitgedächtnis

Vergessen ist grundsätzlich kein Fehler des Langzeitgedächtnisses im Gehirn, sondern ein ganz normaler Prozess. Wenn Informationen nicht oder zu selten benötigt werden, vergessen wir sie. Dasselbe gilt für Fähigkeiten, die wir uns angeeignet haben, die wir aber nicht regelmäßig üben. Allerdings gibt es verschiedene Formen des Vergessens, die auf ein schlechtes Langzeitgedächtnis hinweisen.

Es gibt einige Menschen, die nicht in der Lage sind, neue Informationen abzuspeichern und sich zu merken. Dies wird als anterograde Amnesie bezeichnet. Probleme beim Abrufen von im Langzeitgedächtnis abgespeicherten Informationen werden hingegen retrograde Amnesie genannt. Das Gegenteil hiervon ist die Hypermnesie, bei der man sich unfreiwillig an Dinge erinnert, die im Langzeitgedächtnis abgespeichert sind.

Es gibt viele Ursachen, die zu einem schlechten Langzeitgedächtnis führen können. Hierzu gehören beispielsweise Schlafmangel und hoher Stress. Psychische Belastungen, wie sie beispielsweise der Tod lieber Menschen verursachen, können das Langzeitgedächtnis ebenso beeinträchtigen. Aber auch positive Effekte wie Verliebtheit haben gelegentlich negative Auswirkungen auf das Langzeitgedächtnis. Bei langanhaltenden Problemen mit dem Langzeitgedächtnis können aber auch Krankheiten eine Ursache sein. Hierzu gehören Alkohol- und Drogenabhängigkeit, aber auch Alzheimer, Demenz oder Parkinson.

 

Fazit

Ein schwaches Langzeitgedächtnis kann auf viele unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein. Sind diese krankheitsbedingt, müssen nicht nur die Symptome, sondern die Krankheitsursachen selbst bekämpft werden. Gegen andere Probleme ist es möglich, durch eine leichte Umstellung des Lebensrhythmus für ein verbessertes Langzeitgedächtnis zu sorgen. Nicht zuletzt ist es empfehlenswert, verschiedene Gedächtnisübungen regelmäßig durchzuführen, um so die Leistungsfähigkeit des Langzeitgedächtnisses zu erhalten. Wichtig ist es, die individuellen Ursachen für ein schlechtes Langzeitgedächtnis zu ermitteln und mit individuell angepassten Maßnahmen dagegen vorzugehen. Bei Fragen findest du viele Antworten in unserem Help-Center oder nimm Kontakt zu uns auf.