Der Circulus arteriosus cerebri als lebenswichtiger Kreislauf des Gehirns

Stellen Sie sich mal einen genial konstruierten Kreisverkehr im Herzen Ihres Gehirns vor – genau das ist der Circulus arteriosus cerebri, den viele auch als Willis-Kreis kennen. Diese ringförmige Verbindung von Arterien an der Hirnbasis ist eine der cleversten Sicherheitsvorkehrungen, die unser Körper zu bieten hat. Ihre wichtigste Aufgabe? Eine lückenlose Blutversorgung des Gehirns zu garantieren, selbst wenn mal eine der Hauptzufahrten blockiert sein sollte.

Warum der Willis-Kreis Ihre lebenswichtige Reserve ist

Der Circulus arteriosus cerebri ist so viel mehr als nur ein Gefäßknäuel. Er ist die zentrale Schaltstelle und das ultimative Sicherheitsnetz für die Blutversorgung unseres Denkorgans. Man kann ihn sich wirklich wie ein strategisch geplantes Autobahnkreuz vorstellen, das von mehreren großen Arterien-Autobahnen gespeist wird. Kommt es auf einer Zufahrt zu einem Stau, kann der Verkehr einfach über die anderen Verbindungen umgeleitet werden, um trotzdem ans Ziel zu kommen.

Genau diese Rolle übernimmt der Willis-Kreis für unser Gehirn. Das Gehirn reagiert extrem sensibel auf Sauerstoffmangel – schon wenige Minuten ohne Blut können Nervenzellen irreparabel schädigen. Und genau hier kommt dieser geniale Ring ins Spiel.

Der Circulus arteriosus cerebri funktioniert als sogenannter Kollateralkreislauf. Das heißt, er schafft alternative Routen für den Blutfluss, falls eine der Hauptarterien, die das Gehirn versorgen, verengt oder gar komplett blockiert ist.

Diese Fähigkeit zur Kompensation bewahrt das Gehirn vor den katastrophalen Folgen eines Sauerstoffmangels, wie er bei einem Schlaganfall auftritt. Ist zum Beispiel die innere Halsschlagader auf einer Seite dicht, kann das Blut über die Verbindungsarterien des Kreises einfach von der anderen Seite oder aus dem hinteren Kreislauf umgeleitet werden. So bleiben die betroffenen Hirnareale versorgt und ein größerer Schaden wird im besten Fall verhindert.

Die Bedeutung für die medizinische Praxis

Für Medizinstudenten und Ärzte ist es absolut entscheidend, dieses Prinzip zu verstehen. Es erklärt, warum ein Gefäßverschluss bei einem Patienten einen schweren Schlaganfall auslösen kann, während ein anderer mit einer ganz ähnlichen Blockade kaum Symptome zeigt. Die individuelle Anatomie des Willis-Kreises ist oft der Schlüssel. Ein tiefes Verständnis der Gehirnfunktion, wie sie durch den Circulus arteriosus cerebri gesichert wird, ist ein zentraler Aspekt der Neurowissenschaft, der auch in angewandten Bereichen wie dem Neurowissenschaft Coaching eine wichtige Rolle spielt.

Wenn du mehr über die großen Versorgungsstraßen im Körper lernen möchtest, dann schau dir unbedingt unseren umfassenden Artikel über die Arterien des Körpers an.

Die geniale Architektur des Willis-Kreises im Detail

Stellen Sie sich den Circulus arteriosus cerebri am besten wie einen genial geplanten Kreisverkehr vor, der das wichtigste Kontrollzentrum unseres Körpers versorgt – unser Gehirn. Dieser Ring ist kein einzelnes, starres Gefäß. Er ist vielmehr ein kunstvolles Zusammenspiel mehrerer spezialisierter Arterien, die perfekt aufeinander abgestimmt sind und als Team arbeiten.

Um diese Architektur zu begreifen, müssen wir uns die Hauptakteure genauer ansehen. Der Kreis wird von zwei großen „Zubringern“ gespeist: den beiden inneren Halsschlagadern (Arteriae carotis internae), die von vorne kommen, und der Basilararterie (Arteria basilaris). Letztere entsteht aus dem Zusammenschluss der beiden Wirbelarterien und ist für die Versorgung des hinteren Gehirnteils zuständig.

Die Hauptarterien des vorderen Kreislaufs

Aus jeder Arteria carotis interna entspringt eine vordere Hirnarterie (Arteria cerebri anterior). Diese beiden vorderen Hirnarterien verlaufen aber nicht einfach isoliert voneinander. Sie werden an der Vorderseite des Rings durch ein kurzes, aber ungemein wichtiges Verbindungsstück zusammengehalten: die Arteria communicans anterior.

Diese Verbindung ist wie eine kleine Brücke, die sicherstellt, dass bei einem Engpass auf der einen Seite sofort Blut von der anderen herüberfließen kann. Ein simples, aber effektives Backup-System.

Der hintere Kreislauf und die Verbindungsstücke

Den hinteren Teil des Rings versorgt, wie gesagt, die Arteria basilaris. An ihrem Ende teilt sie sich in die beiden hinteren Hirnarterien (Arteriae cerebri posteriores). Diese sind für große Teile des Hinterhauptlappens und des Schläfenlappens verantwortlich.

Die entscheidende Verbindung zwischen dem vorderen und dem hinteren Kreislauf stellen die beiden Arteriae communicantes posteriores dar. Jede dieser Arterien zweigt von der Arteria carotis interna ab und mündet direkt in die Arteria cerebri posterior derselben Seite. So wird der Kreis geschlossen.

Dieses Netzwerk aus vorderen und hinteren Hirnarterien sowie den verbindenden Kommunikansarterien bildet den geschlossenen Circulus arteriosus cerebri. Er stellt sicher, dass das vordere und hintere Versorgungssystem nicht getrennt voneinander arbeiten, sondern eine funktionale Einheit bilden.

Diese schematische Darstellung macht das Kernprinzip des Willis-Kreises auf einen Blick deutlich: Versorgung, Verteilung und Schutz.

Konzeptkarte, die den Circulus arteriosus cerebri als Versorgung und Schutz des Gehirns darstellt.

Man sieht sofort, wie der arterielle Ring als zentraler Verteiler dient. So etabliert er eine redundante Blutversorgung, die als wichtiger Schutzmechanismus für das Gehirn fungiert.

Fassen wir die Struktur noch einmal zusammen:

  • Zulieferer: A. carotis interna (vorne) & A. basilaris (hinten)
  • Ring-Arterien: Aa. cerebri anteriores & posteriores
  • Verbindungsstücke: A. communicans anterior & Aa. communicantes posteriores

Diese elegante Anordnung erlaubt es dem Blut, bei Bedarf flexibel umzulenken. Fällt eine der Hauptzufuhren aus, kann der Ring den Blutfluss aus den anderen Quellen umverteilen. So lassen sich potenziell verheerende Schäden durch Sauerstoffmangel abwenden – eine echte Lebensversicherung für unser Gehirn.

Warum der Lehrbuch-Willis-Kreis oft eine Wunschvorstellung ist

Werfen wir einen Blick in die Anatomiebücher, sehen wir den Circulus arteriosus cerebri meist als einen perfekten, symmetrischen Ring. Dieses Idealbild ist als Lernhilfe super, aber die Realität sieht meistens anders aus. Tatsächlich ist die Lehrbuchversion eher die Ausnahme als die Regel.

Studien haben gezeigt, dass nur etwa 20-25 % der Menschen überhaupt einen vollständig ausgebildeten, makellosen Willis-Kreis besitzen. Die meisten von uns leben mit der einen oder anderen anatomischen Variante – oft, ohne es je zu merken. Diese Abweichungen sind für sich genommen keine Krankheit, können aber die so wichtige Schutzfunktion des Kreislaufs entscheidend schwächen. Genau deshalb kann ein und derselbe Gefäßverschluss bei zwei verschiedenen Menschen völlig unterschiedliche Folgen haben.

Die häufigsten Varianten und was sie bedeuten

Am häufigsten finden sich Abweichungen bei den Verbindungsarterien, also genau den Gefäßen, die im Notfall den Blutfluss umleiten sollen. Für Ärzte ist das Wissen um diese Varianten extrem wichtig, um das Schlaganfallrisiko eines Patienten richtig einschätzen zu können.

Die häufigsten „Konstruktionsfehler“ sind:

  • Eine schwache oder fehlende A. communicans posterior (PCom): Das ist mit Abstand die häufigste Variante. Die PCom ist hier nur ein dünnes Äderchen oder fehlt komplett. Dadurch ist die Brücke zwischen dem vorderen (Karotis-) und dem hinteren (vertebrobasilären) Blutkreislauf gekappt oder zumindest sehr wackelig.

  • Ein fetaler Ursprung der A. cerebri posterior (PCA): Hier entspringt die hintere Hirnarterie nicht wie üblich aus der A. basilaris, sondern direkt aus der Halsschlagader (A. carotis interna). Die PCom ist dann meist kräftig ausgebildet, weil sie die Hauptleitung zur PCA darstellt, aber die Verbindung nach hinten zur Basilaris ist schwach.

  • Eine fehlende oder unterentwickelte A. communicans anterior (ACom): Das kommt seltener vor als PCom-Varianten, ist aber genauso relevant. Fehlt die ACom, gibt es keinen Blutaustausch zwischen der rechten und linken vorderen Hirnarterie.

Man kann sich einen unvollständigen Willis-Kreis wie ein Rettungsnetz mit Löchern vorstellen. Solange niemand hineinfällt, bemerkt man die Schwachstellen nicht. Aber im Ernstfall – also bei einem Gefäßverschluss – reißt das Netz genau an diesen Stellen.

Stellen Sie sich einen Patienten vor, bei dem die linke PCom fehlt. Wenn dieser Mensch nun eine starke Verengung der linken Halsschlagader entwickelt, kann das Gehirn nicht einfach Blut aus dem hinteren Kreislauf „abzweigen“, um das Defizit auszugleichen. Das Risiko für einen schweren Schlaganfall in diesem Bereich ist dadurch deutlich erhöht. Ein anderer Patient mit einem intakten Kreis könnte den gleichen Verschluss vielleicht sogar komplett ohne Symptome überstehen, weil sein Kollateralkreislauf tadellos funktioniert. Dieses Wissen ist Gold wert, wenn es darum geht, Befunde aus der Bildgebung richtig zu deuten und das individuelle Risiko eines Patienten realistisch einzuschätzen.

Wie der Willis-Kreis bei Schlaganfällen und Aneurysmen über Leben und Tod entscheidet

Bisher haben wir uns die reine Anatomie des Circulus arteriosus cerebri angesehen. Seine wahre, dramatische Bedeutung entfaltet sich aber erst im klinischen Notfall. Hier wird der unscheinbare Arterienring zum Zünglein an der Waage – ein Faktor, der über volle Gesundheit oder schwere neurologische Schäden entscheiden kann. Er ist ein echtes zweischneidiges Schwert: Einerseits ein genialer Rettungsanker des Körpers, andererseits eine tückische anatomische Schwachstelle.

Computermonitor zeigt medizinisches Bild eines Gehirns mit Gefäßen und den Text 'SCHLAGANFALL & ANEURYSMA'. Medizinisches Personal im Hintergrund.

Der Willis-Kreis als Lebensretter beim ischämischen Schlaganfall

Stell dir das Worst-Case-Szenario vor: Ein Blutgerinnsel schießt durch die Blutbahn und blockiert eine der großen hirnversorgenden Arterien, zum Beispiel die Arteria carotis interna. Ohne den Willis-Kreis wäre das Resultat eine sofortige und katastrophale Unterversorgung der entsprechenden Gehirnhälfte. Die Folgen wären verheerend.

Ist der Ring jedoch vollständig und funktionsfähig ausgebildet, springt sein genialer Schutzmechanismus an. Das Blut findet einfach einen anderen Weg. Über die Kommunikansarterien kann es von der gegenüberliegenden Seite oder aus dem hinteren Kreislauf umgeleitet werden, um die Blockade elegant zu umgehen. Dieser sogenannte Kollateralkreislauf kann den Blutfluss aufrechterhalten und so das Ausmaß des Hirnschadens dramatisch reduzieren – im besten Fall sogar komplett verhindern.

Ein vollständiger Circulus arteriosus cerebri ist die beste Versicherung des Gehirns gegen einen ischämischen Schlaganfall. Er kompensiert Engpässe und bewahrt wertvolles Hirngewebe vor dem Absterben durch Sauerstoffmangel.

Diese beeindruckende Fähigkeit zur Kompensation erklärt, warum manche Menschen einen Gefäßverschluss fast unbemerkt überstehen, während andere schwere und bleibende Behinderungen davontragen. Die individuelle Anatomie des Kreises ist hier der alles entscheidende Faktor. Möchtest du mehr darüber wissen, wie solche Gerinnsel überhaupt entstehen? Dann schau doch mal in unseren Beitrag über die Thrombose im Gehirn.

Die Achillesferse: Aneurysmen und die Gefahr der Blutung

So genial der Kreis als Umleitungssystem auch ist, seine Architektur hat eine gefährliche Kehrseite. Genau an den Verzweigungen, wo die Arterien aufeinandertreffen, entstehen durch den Blutfluss hohe Turbulenzen. Der ständige Druck an diesen Knotenpunkten macht die Gefäßwand naturgemäß schwächer. Und genau diese Stellen sind prädestiniert für die Bildung von Aneurysmen – ballonartigen, fragilen Aussackungen der Arterienwand.

Diese Aneurysmen sind tickende Zeitbomben im Kopf. Wenn der Druck zu groß wird und sie platzen, kommt es zu einer Subarachnoidalblutung (SAB). Das ist eine lebensbedrohliche Blutung in den Raum, der das Gehirn umgibt.

Das austretende Blut erhöht den Hirndruck schlagartig und reizt die umliegenden Gefäße aufs Äußerste. Eine gefürchtete Komplikation ist der sogenannte Vasospasmus: eine krampfartige, unkontrollierbare Verengung der Hirnarterien, die oft erst Tage nach der eigentlichen Blutung auftritt. Dieser Spasmus löst eine zweite Welle der Zerstörung aus, führt zu einer sekundären Ischämie und kann die Hirnschäden nochmals drastisch verschlimmern.

Die Zahlen malen ein ernstes Bild: In Deutschland haben etwa 2 % der Bevölkerung intrakranielle Aneurysmen, oft ohne es zu wissen. Bei 20 % dieser Betroffenen sind es sogar mehrere. Platzt ein solches Aneurysma im Circulus arteriosus cerebri, sind die Folgen oft verheerend. Nach einer SAB erleiden bis zu 70 % der Patienten einen solchen Vasospasmus. Bei 20-46 % führt dieser zu verzögerten neurologischen Defiziten, die von leichten Konzentrationsstörungen bis hin zum Koma reichen können.

Moderne Bildgebung: Ein Blick auf den Willis-Kreis

Um die feinen und oft verschlungenen Pfade des Circulus arteriosus cerebri zu beurteilen, brauchen Ärzte einen präzisen Blick ins Innere des Kopfes. Man kann sich moderne bildgebende Verfahren wie hochauflösende Landkarten vorstellen, die uns selbst die kleinsten Gefäßstrukturen zeigen. Sie sind absolut unverzichtbar, um Aneurysmen aufzuspüren, Engstellen zu finden oder einfach die ganz persönliche Anatomie eines Patienten vor einer Operation zu verstehen.

Drei Verfahren haben sich in der neuroradiologischen Diagnostik als besonders wichtig herauskristallisiert. Jedes hat seine eigenen Stärken und Schwächen – ganz so, als hätte man verschiedene Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben im Koffer.

Mehrere medizinische Bildgebungsaufnahmen (MRT/CT) vom Willis-Kreis auf einem Tisch, mit einem Schild 'Willis-Kreis Bildgebung'.

CT-Angiographie (CTA): Schnell und immer zur Hand

Die CTA ist das absolute Arbeitstier in jeder Notaufnahme. Das Prinzip ist einfach: Dem Patienten wird ein Kontrastmittel gespritzt und direkt danach eine schnelle Computertomographie (CT) des Kopfes gemacht. Das Kontrastmittel bringt die Blutgefäße auf den Bildern zum Leuchten.

Der unschlagbare Vorteil der CTA ist ihre Geschwindigkeit und breite Verfügbarkeit. In nur wenigen Minuten hat man detaillierte 3D-Bilder des Willis-Kreises – ideal bei Verdacht auf einen akuten Schlaganfall oder eine Hirnblutung. Die Nachteile? Die Untersuchung geht mit einer gewissen Strahlenbelastung einher und erfordert ein jodhaltiges Kontrastmittel, was für Patienten mit Nierenproblemen oder Allergien heikel sein kann.

In Notfallsituationen ist die CTA die erste Wahl. Sie liefert einen schnellen, umfassenden Überblick über die Gefäßanatomie und hilft, lebensrettende Entscheidungen in kürzester Zeit zu treffen.

MR-Angiographie (MRA): Präzise Bilder ohne Strahlen

Die MRA arbeitet mit starken Magnetfeldern und Radiowellen, um die Blutgefäße sichtbar zu machen. Ihr riesiger Pluspunkt: Sie kommt komplett ohne Röntgenstrahlen aus. Oft ist nicht einmal ein Kontrastmittel nötig (sogenannte Time-of-Flight-Technik). Das macht sie zur schonenden Methode der Wahl für Verlaufsuntersuchungen oder bei jungen Patienten.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Eine MRA dauert spürbar länger als eine CTA. Zudem ist sie für Patienten mit bestimmten Metallimplantaten, wie etwa älteren Herzschrittmachern, tabu. Und weil die Aufnahmezeit länger ist, können schon kleine Bewegungen des Patienten die Bildqualität stören. Wenn du tiefer in die Welt der Gehirn-Scans eintauchen möchtest, wirft unser Artikel über Auffälligkeiten im MRT des Gehirns einen genaueren Blick auf die Interpretation solcher Bilder.

Digitale Subtraktionsangiographie (DSA): Der Goldstandard

Die DSA gilt als der unangefochtene Goldstandard, wenn es um die Darstellung der Hirngefäße geht. Es handelt sich um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem ein winziger Katheter über eine Arterie – meist in der Leiste – bis hoch zu den Hirnarterien geschoben wird. Unter Röntgenkontrolle spritzt der Arzt dann Kontrastmittel direkt in die Zielgefäße.

  • Höchste Detailauflösung: Die DSA liefert gestochen scharfe und dynamische Bilder, die den Blutfluss in Echtzeit zeigen. Man kann dem Blut quasi beim Fließen zusehen.
  • Therapeutische Option: Der größte Vorteil ist aber, dass man nicht nur schauen, sondern auch handeln kann. Aneurysmen können direkt mit Coils verschlossen oder Engstellen mit Stents aufgedehnt werden.

Der Nachteil ist klar: Es ist ein invasiver Eingriff mit einem zwar geringen, aber realen Risiko für Komplikationen, beispielsweise einen Schlaganfall. Deshalb kommt die DSA vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Operation genau geplant werden muss oder wenn die Befunde aus CTA und MRA unklar geblieben sind.

Vergleich der bildgebenden Verfahren für den Circulus arteriosus cerebri

Um die Auswahl des passenden Verfahrens zu erleichtern, haben wir die drei Methoden in einer Tabelle gegenübergestellt. Sie fasst die wichtigsten Anwendungsbereiche, Vorteile und Nachteile von CTA, MRA und DSA zusammen.

Verfahren Anwendungsbereich Vorteile Nachteile
CT-Angiographie (CTA) Notfalldiagnostik (Schlaganfall, Blutung), schnelle Übersicht Sehr schnell, weit verbreitet, gute 3D-Darstellung Strahlenbelastung, jodhaltiges Kontrastmittel nötig
MR-Angiographie (MRA) Verlaufsuntersuchungen, junge Patienten, unklare CTA-Befunde Keine Strahlenbelastung, oft ohne Kontrastmittel möglich Längere Untersuchungsdauer, nicht für alle Patienten geeignet (Implantate)
Digitale Subtraktionsangiographie (DSA) Präoperative Planung, unklare Befunde, therapeutische Eingriffe Höchste Bildqualität, zeigt Blutfluss dynamisch, Therapie möglich Invasiv, Komplikationsrisiko (z.B. Schlaganfall)

Letztendlich hängt die Wahl der Methode immer von der klinischen Fragestellung, der Dringlichkeit und dem Zustand des Patienten ab. Jedes Verfahren hat seinen festen Platz im Werkzeugkasten der Neuroradiologie.

Fragen, die immer wieder aufkommen

Zum Abschluss wollen wir noch ein paar der häufigsten Fragen klären, die im Zusammenhang mit dem Circulus arteriosus cerebri auftauchen. Betrachte es als eine schnelle Wiederholung, um die wichtigsten Punkte noch einmal zu festigen.

Warum heißt er auch Willis-Kreis?

Dieser Name ist eine Hommage an den englischen Arzt und Anatomen Thomas Willis (1621–1675). Er war einer der Ersten, der diese geniale ringförmige Arterienstruktur an der Hirnbasis ganz genau beschrieb und ihre entscheidende Rolle für die Blutversorgung des Gehirns erkannte. Seine Pionierarbeit hat im Grunde den Grundstein für unser heutiges Wissen in der Neuroanatomie gelegt.

Was ist die häufigste anatomische Variante?

Die mit Abstand häufigste und klinisch wichtigste Variante ist eine unterentwickelte (hypoplastische) oder sogar komplett fehlende Arteria communicans posterior (PCom). Das ist deshalb so relevant, weil genau dieses Gefäß die entscheidende Brücke zwischen dem vorderen Karotiskreislauf und dem hinteren vertebrobasilären System schlägt.

Eine intakte PCom ist das A und O für einen funktionierenden Kollateralkreislauf. Ist sie nicht richtig ausgebildet, kann das Risiko für einen schweren ischämischen Schlaganfall bei einem Verschluss einer der Hauptarterien dramatisch steigen.

Die individuelle Anatomie des Circulus arteriosus cerebri ist der Schlüssel zur Risikobewertung. Eine fehlende Verbindung kann den Unterschied zwischen gar keinen Symptomen und einem verheerenden neurologischen Defizit ausmachen.

Kann man ohne einen vollständigen Willis-Kreis leben?

Ja, absolut. Tatsächlich leben die meisten Menschen mit einem unvollständigen Willis-Kreis, ohne es jemals zu bemerken. Solange der Blutfluss in allen zuführenden Arterien reibungslos funktioniert, hat diese anatomische Besonderheit in der Regel keinerlei negative Auswirkungen im Alltag.

Kritisch wird es erst, wenn eine dieser Arterien durch Arteriosklerose stark verengt oder durch ein Gerinnsel blockiert wird. In diesem Augenblick kann der unvollständige Ring seine Schutzfunktion als Umgehungskreislauf nicht mehr erfüllen. Das Gehirn hat keine Möglichkeit, den Ausfall zu kompensieren, und die Gefahr eines schweren Schlaganfalls schnellt in die Höhe.


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